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[Test] Resident Evil 6

12.10.2012 - 13:30
Resident Evil 6 ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Zeit für unseren XXL-Testbericht.

Kein Spiel hat in diesem Jahr für mehr Kontroversen gesorgt als Resident Evil 6. Publisher Capcom hat nichts unversucht gelassen, den neuesten Teil der weltberühmten Horror-Franchise als seinen größten Titel des Jahres zu promoten: Eine beachtliche Werbekampagne begleitete zahllose Trailer und eine Monate andauernde intensive Berichterstattung der Fachpresse. Gut vier Wochen vor Release wurde das Spiel schon in Polen verkauft, eine beispiellose Panne. Als das Spiel dann auch offiziell in den Handel kam, ging die Aufregung aber erst richtig los. Es hagelte Kritik von den alten Fans der Serie, die monierten, Resident Evil 6 sei überhaupt kein Resident Evil mehr. Kein Horror, kein Grusel, nur noch Baller-Action, das war in vielen Internet-Foren zu lesen. Die Wertungen der Fachpresse fielen teilweise vernichtend aus - trotzdem schlich sich die eine oder andere Spitzenwertung in den Pressespiegel und auch die Verkaufszahlen entwickelten sich prächtig. Hat Capcom also doch alles richtig gemacht? Ist Resident Evil 6 nichts anderes als unaufhaltsamer Fortschritt? Eine logische Weiterentwicklung der Serie? Oder behalten die Kritiker und Serienveteranen am Ende doch recht? Zeit für die Abrechnung in unserem XXL-Testbericht.

Einführung
Resident Evil 6 ist ein kontroverses Spiel. Also sollte dieser Artikel auf kontroverse Art und Weise beginnen. Räumen wir zunächst einmal mit der leidigen Frage auf, ob Resident Evil 6 überhaupt noch ein Resident Evil-Spiel ist. Kurz gesagt: Natürlich, sonst würde es ja nicht Resident Evil heißen. Ich mag mich weit aus dem Fenster lehnen und bei manch einem unbeliebt machen, aber das will ich doch loswerden: Dass Resident Evil in der Vergangenheit immer nur für puren Horror stand, ist ein Märchen. Horror ist ein Begriff, der sehr frei interpretiert werden kann. Ab wann ist ein Spiel gruselig? Was braucht ein gutes Horror-Spiel, um Angst und Nervenkitzel zu erzeugen? Das ist eine sehr subjektive Sache. Immerhin sind Menschen verschieden. Der eine fürchtet sich vor Spinnen, der andere eher vor Geistern. Es gibt genügend coole Socken dort draußen, bei denen kein Schockeffekt sitzt und die bei Horrorfilmen im Kino nur laufend Witze reißen, während sich ihre Sitznachbarn vor Angst in die Hose machen. Entsprechend schwer fällt es, ein Horror-Spiel als wirklich gruselig zu kategorisieren. Die Resident Evil-Serie besteht nun schon seit sechzehn Jahren. Ein verdammt langer Zeitraum, in dem sich viel verändert hat. Der erste Teil war richtig gruselig, ja. Aber das ist lange her. Wir alle waren jünger, die wenigsten von uns hatten jemals zuvor ein Horror-Spiel gesehen. In den vergangenen Jahren aber wurde die Serie immer mehr von Action bestimmt. Das nahm schon beim viel gelobten Resident Evil 2 seinen Anfang.

Damals war das Motto: Mehr Zombies, mehr Waffen, mehr Mutationen und mehr cineastische Momente. Der mitunter raffinierte psychologische Horror der ersten Silent Hill-Spiele war nie die Sache von Resident Evil. Resident Evil stand immer für coole Helden, die sich im Stil eines Hollywood-Blockbusters gegen Zombies und Mutanten zur Wehr setzen mussten. Jeder Resident Evil-Spieler erfreute sich an den platzenden Köpfen und Blutfontänen, den Ekel-Effekten und den riesigen Monstrositäten. Gruselig? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Und Helden wie Chris Redfield und Leon S. Kennedy blieben auch im Angesicht des größten Schreckens immer so cool wie eine Hundeschnauze. Furcht war ihnen fremd. In diesem Sinne interpretierte dann auch Hollywood selbst die Resident Evil-Reihe, die es im Kino nun auch schon auf fünf Streifen gebracht hat. Von Horror kann auch dort gar nicht mehr die Rede sein. Was also ist Resident Evil heute? Es ist Horror, irgendwo. Es ist Action, ja. Es ist hoffnungslos überzogenes Popcorn-Kino, definitiv. Und nichts anderes ist Resident Evil 6.

Klar könnte man angesichts all der Action meinen, die Entwickler hätten ihre Wurzeln vergessen, aber ganz so einfach ist es eben nicht. Warum, das klärt der folgende Abschnitt. Aber noch viel wichtiger: Vergessen wir die Frage nach Horror und was ein Resident Evil-Spiel ausmachen sollte. Beantworten wir viel lieber die Frage: Ist Resident Evil 6 ein gutes Spiel?
 


 

Leon & Helena: Die Rückkehr der Zombies
Resident Evil 6 ist in vier Kampagnen unterteilt, von denen drei zu Beginn gewählt werden können. Die Handlung der vier Kampagnen verläuft parallel, aber die spielbaren Hauptcharaktere sind jedes Mal andere. Auch Schauplätze, Gegner, Bosskämpfe und Atmosphäre unterscheiden sich recht deutlich voneinander. Leons Kampagne beginnt in dem amerikanischen Städtchen Tall Oaks, in dem das neue C-Virus ausgebrochen ist. Dieses verhält sich recht ähnlich wie das alte T-Virus, dem Raccoon City in den ersten Teilen zum Opfer fiel: Menschen sterben und verwandeln sich gleich darauf in Zombies. Die Rückkehr der wandelnden Toten müsste Resi-Fans der ersten Stunde eigentlich zu Jubelstürmen hinreißen und auch das düstere Tall Oaks-Setting erinnert deutlich an Resident Evil 2 und 3. Überraschung: Tatsächlich erwartet den Spieler zu Beginn von Leons Kampagne echter Survival-Horror. Immer wieder geht ihm oder Partnerin Helena die Munition aus. Umzingelt von sechs, sieben geifernden Untoten eine beklemmende Situation. Man muss ums Überleben kämpfen, immerzu auf das nächste rettende Heilkraut hoffend. Und den nächtlichen Ausflug auf einen von Untoten bevölkerten Friedhof kann man nur als atmosphärisch bezeichnen. Das ist ziemlich genau die Art von Spiel, die man mit dem Namen Resident Evil verbindet und die auch Fans des ersten Teils zufriedenstellen dürfte. Wenngleich es spielerisch einige Veränderungen gegeben hat. Capcom hat die Steuerung komplett überarbeitet. Zwar behält man die 3rd Person-Kamera aus Resident Evil 4 und 5 bei, doch Leon & Co. steuern sich deutlich flotter und dynamischer. Sie wirken längst nicht mehr so hüftsteif wie in den vorigen Teilen, zumal die Kamera nun frei um die Spielfigur gedreht werden kann. Dies bedeutet aber auch, dass das Spieltempo deutlich erhöht wurde. In engen Räumen verliert man schnell die Übersicht, viele Kämpfe verlaufen chaotisch.
 

Auch das klassische Inventar hat endgültig ausgedient. Man kann zwar über die Dreiecks-Taste ein solches aufrufen, wirklich nötig ist das aber nicht. Über das Digi-Kreuz lässt sich jederzeit durch das Waffenarsenal schalten und auch Heilkräuter können mit einer simplen Tastenkombination zu Tabletten zusammengepresst werden. Diese schmeißen sich Leon & Co. ebenso flott und auf leeren Magen ein wie Kollege Max Payne seine Painkiller. Klassische Rätsel gibt es kaum noch – ein klares Bekenntnis der Entwickler zum Schwerpunkt Action. Zwar müssen Leon und Helena in den ersten Kapiteln mal zwei Statuen finden, die auf dafür vorgesehenen Sockeln ihren Platz nehmen, um einen zuvor versperrten Weg freizugeben. Und auch die obligatorische Kurbel feiert ein augenzwinkerndes Comeback. Das war es dann aber auch mit den „Rätseln“. Spätestens ab dem 3. Kapitel nimmt die Action überhand und Resident Evil 6 entwickelt sich mehr und mehr zu einem temporeichen Mix aus imposanten Cutscenes, Zombieschlachten, zahlreichen Quick Time-Events und vielen Ladepausen. Abgesehen von letzteren ist das durchaus unterhaltsam, wenngleich einige spielerische Schwachpunkte auffallen: Sorgt die Munitionsknappheit im Kampf gegen Zombies noch für Spannung, ist sie in den Bosskämpfen einfach nur nervig. Die stetige Suche nach Nachschub hemmt den Spielfluss und tut keinem Actionspiel gut. Auch haben sich einige unfaire Passagen ins Spiel geschlichen, bei denen man Leons Tod nicht verhindern kann, wenn man nicht erahnt, was einem erwartet. Und das ist in aller Regel erst nach Leons Ableben möglich.
 

Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Ende ist spektakulär inszeniert, es gibt einige coole Szenen zu sehen und Explosionen folgen im Sekundentakt, aber richtig ins Herz schließen will man Resident Evil 6 nicht. Dafür wirkt das Spiel zu glatt gebügelt und in seiner Handlung zu berechenbar. Zudem stellen sich gewisse Ermüdungserscheinungen ein, wenn man einen Bosskampf nach dem anderen vorgesetzt bekommt – mit teilweise identischen Abläufen. Resident Evil 6 mit Leon und Helena beginnt als reizvolle Neuinterpretation des klassischen Survival-Horrors, begeistert mit der Rückkehr der Zombies und düsterer Splatter-Action. Im späteren Verlauf der rund acht bis neunstündigen Handlung stellt sich aber Ernüchterung ein. Resident Evil 6 bietet viel Spektakel, aber wenig Spiel.
 


 

Jake & Sherry: Les Enfants Terribles
Jake Muller und Sherry Birkin sind die Stars der zweiten Kampagne. Beide weisen eine sehr spezielle Verbindung zur Resident Evil-Geschichte auf. Denn der lässige Söldner Jake hat einen sehr prominenten Vater und Sherry Birkin kennen langjährige Fans noch als kleines Mädchen aus dem 2. Teil. Mittlerweile ist Sherry eine schlagkräftige Agentin geworden, die Jake schützen muss. Eine kuriose Konstellation, wo Sherry doch sehr zierlich und jugendlich wirkt und Jake durchaus die Fähigkeiten eines Superhelden aufweist. Doch der erste Blick ist manchmal trügerisch. Spielerisch verlagern die Entwickler den Schwerpunkt des Spiels deutlich. Die Survival-Horror Elemente aus der Leon-Kampagne sind hier nicht mehr wiederzuerkennen. Schon der Auftakt in einem verschneiten Bürgerkriegsgebiet in Osteuropa erinnert eher an einen Action-Shooter als an ein Resident Evil-Spiel. Klassische Zombies tauchen nicht auf, stattdessen bekommen es Jake und Sherry mit infizierten Söldnern zu tun, die noch ein menschlicheres Antlitz aufweisen und sich auch etwas humaner verhalten als die nach Fleisch gierenden Zombies.
 

Sie wissen sogar noch von ihren Schusswaffen Gebrauch zu machen, wodurch das Deckungsfeature an Bedeutung gewinnt, welches zwar auch in Leons Kampagne genutzt werden kann, dort aber eigentlich keinen Sinn macht. Leider funktioniert das Kauern hinter schützenden Objekten nicht so reibungslos und intuitiv, wie man das aus Spielen wie Gears of War und Uncharted kennt. Obwohl Resident Evil 6 bei Jake und Sherry wie ein reiner 3rd-Person-Shooter inszeniert ist, weist es nicht die spielerische Leichtigkeit der Konkurrenz auf. Unterhaltsam ist das Ganze trotzdem. Nicht nur, weil Jake und Sherry ein interessantes Duo abgeben. Sie stolpern auch von einem Spektakel ins nächste. Es gibt rasante Fahrzeugsequenzen mit einem Schneemobil und eine haarsträubende Motorrad-Fahrt durch China.

Das Gameplay kommt hier oftmals zu kurz, aber Actionfans werden die vielen Verfolgungsjagden sicherlich zu schätzen wissen. Apropos Verfolgung: Jake hat einen sehr anhänglichen „Freund“, einem scheinbar unzerstörbaren Supermutanten, welcher ihn durch die gesamte Kampagne verfolgt. Serienveteranen dürfen das als Hommage an Jill Valentines' Erzfeind Nemesis (Teil 3) verstehen, allerdings fehlt die bedrohliche Stimmung von damals ebenso wie das beunruhigende Gefühl, dass der unsterbliche Schrecken jederzeit wieder auftauchen könnte. Auch hier hat Capcom Potential verschenkt. Das Fazit zur Jake-Kampagne fällt dennoch überraschend positiv aus. Gruselstimmung wird keine geboten, aber die vielen scheußlichen Feinde, die kurzweilige Inszenierung und der permanente Überlebenskampf halten den Spieler auf Trab.
 


 

Chris & Piers: Ein gefallener Held
Chris Redfield und sein neuer Partner Piers sind im Auftrag der BSAA in China unterwegs. Dabei muss Chris allerdings nicht nur Mutanten bekämpfen, er bekommt es auch mit seinen inneren Dämonen zu tun. Erstmals in einem Resident Evil-Spiel lernt man so etwas wie die dunkle, schwache Seite von Chris Redfield kennen. Allerdings ist dies nur eine Randnotiz in einer ganz und gar auf Action getrimmten Kampagne. Man könnte viel schreiben über den allgegenwärtigen Militär-Slang oder das an handelsübliche 3rd-Person-Shooter angelehnte Leveldesign. Letztlich trifft es ein überspitzt formulierter Satz ganz gut auf den Punkt: Chris bekommt es in seiner Kampagne mit mehr Kampfhelikoptern als mit Zombies zu tun. Zeitweise fühlt man sich wie im Krieg, aber nicht wie in einem Resident Evil-Spiel. Wobei das auch nur eine Facette der Kampagne ist. Vielleicht konnte man die Story von Resident Evil niemals ganz ernst nehmen, aber wenn man gegen chinesisch brabbelnde Mutanten-Freaks mit Spinnenkörper kämpft, die mit Geiseln auf ihrem Rücken (!) an der Decke entlang krabbeln, dann ist das nur noch unfreiwillig komische Gaga-Action.
 

Dabei liegen Freud und Leid eng beisammen. Das Kapitel 3 etwa beginnt vielversprechend und – man mag es kaum glauben – konfrontiert uns sogar mit einem prickelnden Bosskampf gegen eine unsichtbare Riesenschlange, die endlich wieder klassisches Resident Evil-Feeling aufkommen lässt. Schon bald darauf kommt es aber zu einer dröge inszenierten und spielerisch schwachen Verfolgungsjagd über einen städtischen Highway, welche die vorhin noch euphorische Stimmung direkt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Danach wird nur noch geballert – und zwar ohne Unterlass. Mehr noch als in den vorigen Kampagnen ärgert man sich über die chronische Munitionsknappheit. Mit dem typischen Survival-Horror hat das nichts zu tun, es wirkt eher so, als hätten die Entwickler die Balance zwischen Gegneraufkommen und Munitions-Nachschub nicht richtig hinbekommen. Dieses Dilemma kann so weit gehen, dass der Freitod die einzige Lösung ist, aus einer vertrackten Situation wieder herauszukommen. Immerhin wird beim Laden des letzten Checkpoints ein gewisses Maß an Munitions- und Gesundheitsvorrat automatisch wiederhergestellt. Der coole Ausflug mit einem Sea Harrier-Kampfjet und das emotionale Finale entschädigen aber für so manch vorangegangenes Ärgernis.
 


 

Ada Wong: Lady in red
Resident Evil 6 bietet noch eine vierte Kampagne, in der wir in die hübsche Haut von Ada Wong schlüpfen dürfen. Die Handlungsfäden aller vier Kampagnen laufen hier zusammen, sodass sich nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Dieses ist sicherlich nicht komplett zufriedenstellend, denn Resident Evil 6 mangelt es an schillernden Bösewichten wie man sie aus den letzten Teilen kannte. Zudem lässt die Geschichte zu viele Fragen unbeantwortet. Mehr denn je wirkt diese Bio-Terrorismus-Verschwörung und das Gefasel vom Weltuntergang wie ein billiger Vorwand, einfach ein weiteres Resident Evil-Spiel auf den Markt zu werfen. Es geht nicht um die Handlung – nur um das Spektakel. Was Ada angeht, muss ich allerdings mildere Töne anschlagen. Adas Kampagne ist ein vollwertiger Teil des Spiels, genau wie die drei vorangegangenen Geschichten und ebenso umfangreich. Spielerisch überrascht Ada mit Stealth-Abschnitten und ein paar Rätseln klassischer Resident Evil-Machart, welche Fans sicherlich gefallen werden.

Capcom hat ein Monster von einem Actionspiel erschaffen. Denn neben den vier Kampagnen bietet Resident Evil 6 noch mehr. Im Agent Hunt-Modus dreht man das Kooperativ-Konzept praktisch herum und erlaubt es einem Spieler, in die Kampagne eines anderen Spielers einzugreifen – indem er die Kontrolle über Zombies und andere Monster übernimmt. Eigentlich eine witzige Idee. Ohnehin sind die Koop-Features von Resident Evil 6 raffiniert. An bestimmten Punkten überschneiden sich die Kampagnen, dann können bis zu vier Spieler zusammentreffen, um etwa einen bestimmten Bossgegner zur Strecke zu bringen. Auch der beliebte Mercenaries-Modus ist zurückgekehrt. Wer gerne zu hektischer Techno-Musik Zombies metzelt und dem Highscore hinterher jagt, kommt hier garantiert auf seine Kosten. Aber verglichen mit den Teilen 4 und 5 wirkt der Mercenaries-Modus diesmal etwas lieblos integriert. Vielleicht ist den Entwicklern am Ende doch noch die Zeit ausgegangen?
 

Resident Evil 6 kann technisch nicht vollends überzeugen. Auf der Habenseite stehen einige sehr detailreiche Kulissen, hervorragend animierte Charaktere und schier riesige Bossgegner. Im Gegensatz zum 5. Teil gibt es kein störendes Tearing zu sehen, allerdings beeindruckt die Optik weniger als seinerzeit im Vorgänger. Der düstere Look des Spiels kaschiert so manch eine grafische Schwachstelle, aber das gelingt nicht immer. Speziell die Texturen sind oftmals viel zu verwaschen und pixelig, teilweise grausam anzuschauen. Auch die NPCs und Zombies sehen alles andere als detailliert aus. Hier mussten die Entwickler offenbar Abstriche machen, um die im Direktvergleich mit dem Vorgänger größeren Areale realisieren zu können. Musikalisch ist Resident Evil 6 reiner Durchschnitt. Der Hollywood-Score wirkt absolut austauschbar und erzeugt nur in den seltensten Fällen eine dichte Atmosphäre. Meist hat man eher den Eindruck, die Komponisten seien sehr darauf bedacht gewesen, jeglichen aufkommenden Grusel gleich im Keim zu ersticken. Bei der deutschen Synchronisation hat Capcom nicht komplett daneben gegriffen, doch einige Sprecher wirken seltsam lustlos und fast unbeteiligt. Das fällt besonders bei Leons Sprecher auf. Will man Resident Evil 6 im englischen Original spielen, muss man aber die Systemsprache umstellen – umständlich.
 


Fazit
Mit Resident Evil 6 hat Capcom den in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt. Man hat die Reihe weiterentwickelt – nur unglücklicherweise in die falsche Richtung. Die Freude über die Rückkehr der Zombies in Leons Kampagne verpufft angesichts der banalen und austauschbaren Dauer-Action bei Chris Redfield. Und auch die runderneuerte, nun deutlich dynamischere Steuerung ist ein Rohrkrepierer. Denn sie bringt neue spielerische Probleme mit sich: Oftmals unübersichtliche und chaotische Feuergefechte in engen Räumen, ein mehr schlecht als recht umgesetztes Deckungsfeature und Ärger über eine zickige Kamera. Trotz dieser Kritikpunkte hat Resident Evil 6 durchaus eine Menge zu bieten. Der Survival-Horror in den ersten Stunden von Leons Kampagne, der sehr hohe Umfang und die Kinoreife Inszenierung wissen zu überzeugen. Jede Kampagne hat ihre Highlights und ihren eigenen Charakter. Es lohnt sich, das Spiel komplett durchzuspielen. Und ganz ehrlich: Als Resident Evil-Fan der ersten Stunde habe ich das Spiel genossen. Nicht, weil es seinen Vorgängern so ähnlich wäre. Sondern weil einfach eine ganze Menge drinsteckt.

Doch es ist auch unverkennbar, dass die Entwickler sich offenbar uneins waren, was Resident Evil 6 eigentlich werden sollte. Ist es Survival-Horror? Ist es ein 3rd-Person-Shooter? Man weiß es nicht so genau. Einerseits ziehen die Entwickler das Tempo gnadenlos an und werfen vermeintlich störende Elemente wie Rätsel und Inventar-Verwaltung in hohem Bogen über Bord. Andererseits stolpert das Spiel ständig über Dinge, welche den Spielfluss nicht nur hemmen, sondern gar zum Stillstand bringen: Munitionsknappheit an den unpassendsten Stellen, große Probleme mit der Steuerung. Der Eindruck nach 30 Stunden Spielzeit bleibt durchwachsen. Letztlich bleibt ein monumental umfangreiches Horror-Action-Spiel mit vielen eindrucksvollen Momenten und ebenso vielen spielerischen Schwächen, dem es an Grusel-Atmosphäre und Tiefgang mangelt. Wer sich damit abfinden kann, dass Resident Evil eine neue Richtung eingeschlagen hat, wird aber durchaus seinen Spaß mit diesem heiß diskutierten Stück Software haben. 

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Action
Story:
6.0
+
Beziehungen der Charaktere untereinander bergen Spannung
-
Farbloser Bösewicht, fragwürdige Logik, ein paar dumme Dialoge
Grafik
8.0
+
Mitunter beeindruckende Kulissen, detailreiche Charaktermodelle
-
Viele matschige Texturen
PC
Playstation 3
XBox 360
Steuerung
7.0
+
Spielt sich flotter und dynamischer als Teil 5
-
Deckungsfeature schlecht umgesetzt, hektische Kämpfe
Sound
7.0
+
Packendes Titel-Thema
-
Deutsche Synchro und Soundtrack nur durchschnitt.
Fakten
Resident Evil 6 weiß nicht genau, was es eigentlich sein soll. Es bleibt ein großes Action-Paket mit ebenso vielen Stärken wie Schwächen.
10/2012
| Bewertung:
 
8.0
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