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Special: Anno 2070 - Die Geschichte einer Serie

18.10.2011 - 17:00
Anno 2070 macht sich zum Start bereit. Grund genug, einen Blick auf die Reihe zu werfen. Wo nahm eigentlich alles seinen Anfang?

Es ist wieder so weit. Ein neues Anno steht vor der Tür. Erstmals soll es in die Zukunft gehen. In das Jahr 2070. Doch wo kommt die Serie her? Wo liegen die Anfänge, was waren die größten Erfolge und was die schlimmsten Niederlagen? Schließlich gibt es die Anno-Reihe schon eine ganze Weile. Seit etlichen Jahren. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, denn nur so können wir uns auf die Zukunft konzentrieren.

Es war das Jahr 1998, welches zur Geburtsstunde einer der erfolgreichsten deutschen Spielemarken aller Zeiten werden sollte. Die deutsche Firma Sunflowers sicherte sich einige Zeit zuvor die Publishing-Rechte an Anno 1602, welches von den Österreichern bei Max Design entwickelt wurde.

Damals konnte niemand wissen, dass dies erst der Anfang war, dass sowohl Entwickler als auch Publisher mit einem Schlag berühmt würden. Zum ersten Mal durften Spieler die Inselwelten erkunden, mit Schiffen neue Welten schaffen, auf Abenteuer stoßen und ein Handelsimperium unvergleichlichen Ausmaßes schaffen. Mit seiner simplen Grundidee, der unglaublichen Spieltiefe, und trotz der umständlichen Steuerung, welcher der Komplexität nur bedingt gewachsen war, wurde Anno 1602 zu einem absoluten Erfolg. Bis zum Jahr 2002 zählten Publisher und Entwickler mehr als zwei Millionen verkaufte Einheiten. Einer der Erfolgsfaktoren war mit Sicherheit auch der Umstand, dass die Systemanforderungen relativ gering waren. Bereits ein 100-Megahertz-Rechner genügte zum Spielen.

Doch gab es noch einen weiteren Grund für den starken Absatz. Bereits kurz nach der Veröffentlichung wurden die Speicherdateien des Spiels entschlüsselt und öffneten so den Weg für zahlreiche Modifikationen. Und wie schnell diese Szene war, das ist nach wie vor beeindruckend: Die ersten Modifikationen erschienen noch vor der Veröffentlichung der beiden Erweiterungen, die ebenfalls noch 1998 erschienen. Und zwar beide im November. Neue Inseln, Neue Abenteuer brachte neben den neuen Karten und Abenteuern auch einen Karteneditor mit. Im Namen des Königs dagegen beinhaltete ausschließlich neue Spielzeit und keine weiteren Tools.

Trotz oder gerade wegen des umfassenden Erfolges des ersten Teils dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis Anno 1503 veröffentlicht wurde. Auch wenn es recht bald angekündigt wurde, mussten sich Fans bis zum 25. Oktober 2002 gedulden. Da nämlich erst kam das Spiel auf den Markt. Mehr als vier Jahre benötigten die Macher, um einen waschechten Nachfolger auf die Beine zu stellen. Und dieser Nachfolger brachte dann auch noch zahlreiche Probleme mit sich. Vorab kündigten die Jungs von Max Design nämlich einen Mehrspielermodus an, doch im fertigen Produkt war der dann nicht mehr drin. Dafür fanden ein ziemlich kaputtes Militärsystem und zahlreiche Fehler ihren Weg in den Titel. Die meisten Probleme konnten schnell behoben werden, doch der Mehrspielermodus, der kam nie.

Ein Jahr verging, immer wieder wurde beteuert, dass die Entwicklungen am Mehrspielermodus andauerten. Doch dann kam die Ernüchterung: Schließlich gaben die Macher auf. Was nicht bedeutet, dass es nie einen solchen Modus gab. Er war nur gut versteckt. In der Erweiterung Schätze, Monster und Piraten waren zahlreiche Codezeilen enthalten, welche es ermöglichten, mit ein wenig Aufwand den Mehrspielermodus freizuschalten. Ansonsten war die Erweiterung bei den Fans aber gar nicht gern gesehen. Neben den neuen Naturkatastrophen, einigen Gebäuden und etwas aufgehübschten Grafikeffekten brachte das gute Stück nämlich fast nichts mit. Von der Community war es mehr als Patch angesehen. Als verdammt teurer Patch. Der Erfolg der Reihe überlebte diese Rückschläge allerdings, sogar ein Brettspiel kam auf den Markt.

Vielleicht waren es auch diese Rückschläge, welche zwar nicht das Ende der Spieleserie, doch das Ende des Entwicklerstudios herbeiriefen. Anno 1701 wurde nämlich nicht mehr von Max Design, sondern von Related Designs gebaut. Pleite ging das alte Entwicklerstudio nicht, doch löste es sich 2004 komplett auf. Später gaben die Entwickler an, dass man der Branche überdrüssig geworden sei, dass man müde wurde. Und so beauftragte Sunflowers, damals dann in Kooperation mit Koch Media, ein anderes Studio mit der Entwicklung.

Und Anno 1701 machte so manches anders, als seine Vorgänger. Erstmals wurde eine äußerst aufwändige 3D-Optik geboten. Und siehe da: Auch ein Mehrspielermodus wurde integriert. Vier Spieler konnten endlich gemeinsam um die Wette wirtschaften. Vorab wurden Fans der Reihe nämlich befragt, was sie gerne im Spiel integriert wüssten. Und da stand natürlich der 1503 verschütt gegangene Mehrspielermodus ganz weit oben auf der Liste. Lustigerweise ist es dann am Ende tatsächlich so gewesen, dass sich kaum Mitspieler finden ließen. Irgendwie geriet der Modus in Vergessenheit und wurde nicht so wirklich angenommen.

Erstmals in die Reihe integriert wurden Sonderfähigkeiten, hier noch Logenaktivitäten genannt. So konnte man mit verschiedenen Einheiten dem Gegner schaden. Spione konnten wichtige Informationen stehlen, Revoluzzer sorgten für Aufstände, und Bombenleger sprengten unentdeckt Gebäude. 2007, ein Jahr nach der Veröffentlichung von Anno 1701, kam die offizielle Erweiterung Der Fluch des Drachen auf den Markt. Ihre wichtigste Neuerung war neben einer kleinen frischen Kampagne ein Welteneditor, mit dem sich neue Karten für das eigene Spiel schaffen ließen. Zumindest teilweise, denn am Ende konnte man nur Karten auf Basis bereits existenter Inseln zusammenstellen. Diese waren nicht editierbar. Auch diese Erweiterung wurde, ganz der Serie treu, eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Die Nintendo Wii- und Nintendo DS-Fassungen dagegen erfreuten sich großer Beliebtheit, auch wenn sie in ihrer Spielmechanik ein wenig vereinfacht daherkamen. Ebenfalls 2007 erschien dann auch noch ein Kartenspiel zum Spiel, und von Autorin Claudia Kern kam unter dem Panini-Verlag auch noch ein Roman namens Kampf um Roderrenge. Dass 1701 noch zahlreiche Preise gewann, muss man wohl kaum erwähnen. Dass es ein Verkaufserfolg war, wohl auch nicht. Dass es am Ende aber „nur“ als Mittelpunkt der glorreichen Reihe angesehen wurde, vielleicht schon. Rückblickend ist nämlich genau das der Fall. 1701 ist sicherlich ein wichtiger Meilenstein der Reihe, doch ist es weder der Hoch- noch der Tiefpunkt der Serie.

2007 war übrigens auch das Jahr, in dem Publisher Ubisoft mit ins Spiel gebracht wurde. In diesem Jahr kauften die Franzosen nämlich das deutsche Unternehmen Sunflowers auf, erwarben auch einen großen Teil von Related Designs und sicherten sich somit auch die Rechte an der Marke Anno.

Ein Jahr später, auf der Games Convention 2008 in Leipzig, wurde dann Anno 1404 angekündigt, welches eine noch aufwändigere Technik nutzen und zahlreiche Neuerungen mitbringen sollte. Am 25. Juni 2009 war es dann so weit. Spieler durften endlich wieder neue Welten entdecken. Das Spiel wurde derweil nicht allein von Related Designs entwickelt. Das bekannte Studio BlueByte, welches eigentlich für Die Siedler zuständig ist, half bei der Entstehung aus. Unter anderem auch, um dafür zu sorgen, dass beide Serien sich am Ende nicht zu sehr ähneln sollten.

1404 brachte schließlich unzählige Neuerungen mit. Ganz egal, ob Ruhmespunkte, der Orient als neuer Bezugspunkt, das neue Plantagensystem oder aber die neu eingeführten Lagerhäuser: Spieler mussten sich ein wenig umstellen, entdeckten aber bald, dass dieses Anno das wohl komplexeste, zugleich aber auch zugänglichste und wohl am besten aussehende Anno aller bisherigen Zeiten war. Auch dieser Teil sahnte zahlreiche Preise ab und gilt bis heute, trotz der eher wenig umfangreichen Erweiterung Venedig, welche kaum Neuerungen brachte, als der beste Ableger der Reihe. Noch 2009 wurde ein Editor veröffentlicht. Und ein Patch, welcher den verhassten Kopierschutz entfernte, denn der ermöglichte lediglich drei Installationen, was gerade bei Spielern, die oft ihre Hardware wechselten, für Verständnislosigkeit sorgte. Zumal nicht jeder Spielerechner ans Internet angeschlossen war - doch genau das war für die Installation Pflicht.

Und jetzt? Jetzt soll es in die Zukunft gehen. Anno 2070 steht vor der Tür. Neue Spielmechanismen sollen eingeführt werden, neue Fraktionen und neue Spielebenen. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Serie bewegt. Klar ist aber schon jetzt: 2070 wird die Reihe wohl bereichern. Interessant wird es sein, zu erfahren, was danach passieren soll. Geht es dann wieder in die Vergangenheit? Doch in die Zukunft? Oder in die Zeit der industriellen Revolution? Allein die Zukunft wird es zeigen. Doch die ist, auch wenn 2070 ja eine recht düstere Prognose abgibt, ein ungeschriebenes Buch. - Michael Hoss

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Kommentare
panther
Schön geschrieben!
Danke
25.10.2011 - 15:23
andr0id
Guter Artikel!
Anno ist auf jeden Fall eine sehr gute Spielserie die sich auch gut weiterentwickelt hat. Kenne viele die Anno spielen und auch gekauft haben...
18.10.2011 - 14:04
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